Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmann

Keifert-Kretschmann

Definition „systemrelevante Berufe“ und deren Festlegung / Fehlende Unterstützung für das Gebäudereinigerhandwerk

Guten Tag, sehr geehrter Herr Minister Kretschmann,

mein Name ist Jörg Keifert; ich führe seit 1989 ein Unternehmen in der Gebäudereinigung.

Gebäudereinigung: Was heißt das für Sie? Was tut man da? Wie wichtig ist diese Branche? Was ist das für ein Berufsbild, das dahintersteckt?

Fragen, die sich mir in letzter Zeit sehr häufig aufdrängen, wenn ich die Berichterstattung der Medien höre oder lese und ich täglich versuche, meine Mitarbeiter vor der Infektion mit dem Coronavirus zu schützen und zur Arbeit entsende, damit die notwendigen Hygienestandards und die tägliche Reinigung von Gebäuden, Krankenhäusern, Pflegeheimen u.v.m. weiterlaufen.

Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, Sauberkeit und gründliche Reinigung nicht nur als Floskeln zu betrachten, sondern mit „Meisterkenntnissen und Qualitätsanforderungen der DIN ISO 9001 und DIN ISO 14001“ umzusetzen. Dies ist mit enormer Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber verbunden, aber auch mit der Entwicklung von Reinigungsprozessen, die den jetzigen Anforderungen gerecht werden. Leider fehlt mir hier die Unterstützung bereits beim einfachen Beschaffen von Handschuhen, Schutzkitteln oder Atemschutzmasken, ganz zu schweigen davon, was der Bedarf am Markt gerade in der Beschaffung von Desinfektionsmitteln mit den Preisen macht.

Aus diesem Grund haben wir uns als Vertreter eines einfachen, steuerzahlenden Betriebes dazu entschlossen, diesen Brief zu schreiben und Sie als Vorsitzenden des Landes Baden Württemberg zu bitten, in die Prüfung zu gehen, wer über systemrelevante Berufe entscheidet und inwieweit die freie Marktwirtschaft eine Ausbeutung der kleinen Unternehmen zulässt, die derzeit die Wirtschaft noch am Laufen halten.

Wir würden uns sehr über eine Antwort oder noch mehr über eine Stellungnahme freuen. Wir werden ebenfalls versuchen, über den Landkreis Freiburg oder über eine regional ansässige Zeitung Unterstützung aus der Gemeinschaft zu erhalten.

Da die Reinigung einer der ältesten Handwerksberufe ist und höchstwahrscheinlich zum gesundheitlichen Überstehen von Corona (SARS-CoV-2) beitragen kann, wäre es wünschenswert zu überprüfen, inwieweit die Landesregierung unsere Branche unterstützen kann. Dank Corona werden wir uns vielleicht mal wieder alle bewusst, welch wichtige Funktion unsere Berufe haben, und es wäre wünschenswert, wenn die Reinigungsbranche die gleiche Anerkennung wie Pflegekräfte und medizinische Betreuer erhält. Ganz nebenbei möchten wir erwähnen, dass wir einen nicht unerheblichen Anteil dazu leisten, unsere Flüchtlinge zu integrieren und Ihnen Arbeitsplätze zu verschaffen.

Wir danken bereits im Voraus hierfür.
Keifert GmbH
Meisterbetrieb Gebäudereinigung

Jörg Keifert, Manuela Röttele